Hurenkinder und Schusterjungen

was sonst nirgends hineinpasst

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Katharina S.

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Katharina S. » Mi, 22.04.2009 11:59

auch wenn darüber schon länger nicht mehr diskutiert wurde:

Was ein "Hurenkind" von einem "Schusterjungen" unterscheidet:

"Hure" ist im Gegensatz zu "Schuster" ein Schimpfwort. An dieser charmanten nostalgischen Bezeichnung fest zu halten, ist natürlich gemütlich, weil man dann nichts ändern muss. Warum auch, schließlich zählen Prostituierte ja nicht viel, da kann man auch die ungewünschten Kinder beleidigen. Und es ist ja nur ein Wort, wär ja was anderes, wenn da eine handfeste Diskriminierung mittransportiert werden würde.

Stephan
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Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Stephan » Mi, 22.04.2009 13:43

"Hure" ist im Gegensatz zu "Schuster" ein Schimpfwort.
Der bekannte Verein Hydra e.V. (www.hydra-ev.org) sieht "Hure" nicht als Schimpfwort an, wenn ich auf dessen Webseite lesen kann:

"HYDRA ist die erste autonome Hurenorganisation in Deutschland, die 1980 von sozial engagierten Frauen aus unterschiedlichen Berufssparten ins Leben gerufen wurde."

Ich kann mir zumindest schlecht vorstellen das ein Verein sich selbst als "Hurenorganisation" bezeichnen würde wenn dessen MItglieder das Wort "Hure" als Beleidigung oder Diskriminierung empfinden würden.



Gruß
Stephan

Katharina S.

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Katharina S. » Sa, 25.04.2009 11:57

Nur weil ein Verein von Betroffenen sich damit spielt, die Bedeutung einer negativen Fremdbezeichnung für sich selbst zu übernehmen, heißt das noch nicht, dass sich damit generell die Bedeutung des Begriffes ändert.
Afroamerikanische Rapper nennen sich auch selbst "Nigga", trotzdem ist das Wort für den Großteil der (weißen) Bevölkerung immer noch ein Schimpfwort.
LG,
Katharina

Stephan
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Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Stephan » Sa, 25.04.2009 16:10

Nur weil ein Verein von Betroffenen sich damit spielt, die Bedeutung einer negativen Fremdbezeichnung für sich selbst zu übernehmen, heißt das noch nicht, dass sich damit generell die Bedeutung des Begriffes ändert.
Da hast Du völlig Recht, aber umgekehrt gilt doch das Gleiche: Nur weil Einige behaupten das der Begriff beleidigend oder diskriminierend ist, ist er es auch nicht automatisch. Hier steht für mein Verständnis also letztlich Ansicht gegen Ansicht und ich kann nicht sehen wie objektiv feststellbar wäre wer Recht hat.

Mir schien es deshalb naheliegend hier die Ansicht einer recht bekannten Organisation der direkt Betroffenen ins Feld zu führen (in der Annahme das eine solche Organisation zwar nicht verbindlich rechtlich entscheidet, aber doch von diesen Dingen was versteht, so das ihre Meinung ein gewisses Gewicht haben dürfte), weil ich nicht weiß was ich sonst tun kann (auf eine Änderung im Programm habe ich keinen Einfluss).


Du kannst Dich an die Entwickler von OpenOffice.org wenden und dort Dein Anliegen verdeutlichen, dazu mußt Du einen entsprechenden issue verfassen, Näheres findest Du ausgehend von:
viewtopic.php?f=3&t=12975




Gruß
Stephan

Gast

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Gast » Sa, 25.04.2009 22:53

von Mathias » Do, 31.05.2007 14:06

Zur vermuteten Herkunft der Begriffe:

Ein Hurenkind weiß nicht wo es herkommt

Ein Schusterjunge weiß nicht wo er hingehen soll
Sprache ist schon ein seltsames Ding... 'Hure' als Abfolge von 4 Einzelbuchstaben enthält keine Wertung, keine Diskriminierung, keine sexistische Beschimpfung; es lohnt sich nicht, daß man sich über das reine Wort mokiert.
Erst beim Lesen und Umsetzen unter Vermischung der Erfahrungen und (Miß-)erziehungen des Lesers wird daraus ein vermeintliches Sakrileg. In anderen Sprachen können solche Buchstabenfolgen vielleicht sogar etwas ganz anderes & nettes bedeuten?

Scheinbar hat die Entwicklung der Menschheit ergeben, daß dieser ”Beruf“ historisch ist; sich darüber aufzuregen, ist eine absolute Scheinmoral. Das ist so ähnlich, als ob man sich über den Begriff ”Puffotter“ aufregt.

Andere absolut kruse Politikhochdeutschwörter zeigen, wohin die US- analoge politische Correctness führen kann... Ein anderes Beispiel: über das Wort ”Muckefuck“ hat bereits öfter eine US- erstellte Forensoftware die Zensur verhängt; davon, was das Wort wirklich bedeutet, haben die Programmierer in gods own country keinerlei blassen Schimmer. Die sollten ihre Schmutzfinger einfach von anderen Sprachen lassen.

Wenn man sich hier aufregen will, soll man das ruhig tun; letztlich sollte man die Kirche im Dorf lassen und solche in Fachkreisen geläufigen Wörter nicht ändern. Da damit keine Personen angesprochen werden, sondern lediglich Satzabschnitte, ist die Aufregung darüber einfach kalter Ersatzkaffee, eben Muckefuck.

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Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von kahaes53 » Sa, 25.04.2009 23:43

Ach bitte, es geht doch gar nicht darum, ob hier irgendjemand beleidigt wird, die Begriffe sind schlicht und ergreifend für die meisten User, die ohnehin nichts mit Formatvorlagen im Sinn haben, unverständlich.

Gruß
Mac OS X LO 3.3.1, Win 7 LO 3.3.1

Sanne

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Sanne » So, 26.04.2009 01:03

kahaes53 hat geschrieben:die Begriffe sind schlicht und ergreifend für die meisten User, die ohnehin nichts mit Formatvorlagen im Sinn haben, unverständlich.
Wir könnten ja mal eine Umfrage starten, und sehen, ob dabei was Schlaueres herauskommt und damit unser eigenes Forumsvokabular bilden. Also:
Suche einen Begriff der steht für "die letzte Zeile eines Absatzes, wenn sie zugleich die erste einer neuen Spalte oder Seite ist" [Zitat Wikipedia] und einen Begriff für "die bei einem Umbruch allein am Ende der Seite oder Spalte stehende Zeile eines Absatzes"
Allerdings sind wir ja nicht eigentlich Typographen (jedenfalls gehe ich davon aus, dass das für die Mehrheit hier zutrifft), das Problem ist aber sehr wohl ein typographisches. Nun ist es ja so, dass praktisch jeder Fachbereich irgendwelche Begriffe verwendet, die nur "Eingeweihten" verständlich sind und ich denke, damit muss man halt leben und wenn man auf einen stösst eben nachfragen.
Die Typographen sind aber schon besonders erfindungsreich, vielleicht durch ihre Nähe zur Literatur? Wer wissen will, was mit "Zwiebelfisch" oder "Fliegenkopf", mit "Blitzer" oder "Bastardschrift" gemeint ist, kann das im Typolexikon nachlesen.

Wo übrigens auch zu finden ist, dass die strittigen Begriffe aus dem Titel dieses Beitrags offenbar gar nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen.
Typolexikon hat geschrieben:Witwe
Typographische Bezeichnung für einen Fehler im Umbruch einer Schriftsatzarbeit. Letzte Zeile eines Absatzes, die fehlerhaft alleine am Anfang einer neuen Kolumne, also am Anfang einer neuen Seite steht. Im gewerbespezifischen Sprachschatz deutscher Handschriftsetzer früher auch als Hurenkind bezeichnet.
Typolexikon hat geschrieben:Waisenkind
Typographischer Terminus für einen fehlerhaften Umbruch am Ende einer Kolumne oder Satzspalte; erste Zeile (oder Headline) eines neuen Absatzes oder Kapitels, welche irrtümlich als einzelne Zeile (oder als verbundlose Headline) am Ende der vorausgehenden Kolumne steht. Im südlichen Sprachraum auch als Findelkind und früher auch als Schusterjunge bezeichnet.
mfG

Gast

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Gast » So, 26.04.2009 12:00

Sanne, hattest du gestern Einschlafprobleme?
Heiße Milch mit Honig soll in dem Fall helfen, probier's nächstes Mal.
Grüße

Sanne

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Sanne » So, 26.04.2009 14:14

Wenn Du meinst, meine oder Deine Probleme diskutieren zu müssen, tu das doch besser per PM, Peter.
mfG

Gast

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Gast » So, 26.04.2009 15:20

.., Peter
Sanne, deine Glaskugel ist trübe.
Ich bin Markus Kauer (war wie jetzt nicht angemeldet).

Grüße

Sanne

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Sanne » So, 26.04.2009 16:22

Ich versuch' mir's zu merken, Willi
mfG

Joke
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Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Joke » Di, 28.04.2009 09:29

Um zur Sache zurückzukommen und zur Vervollständigung: "Schuster" ist zwar kein allgemein anerkanntes Schimpfwort, galt aber früher mal als herabsetzend - korrekt ist "Schuhmacher".
Sprache ist leider grundsätzlich traditionell mehr oder weniger stark sexistisch und in jedem Fall nicht "durchgängig sensibel". Ausdrücke, an die man sich allgemein gewöhnt hat und die meist ja auch gar nicht hinterfragt werden, lassen sich offensichtlich nur schwer, wenn überhaupt, durch korrekte, nicht diskriminierende ersetzen.
Gelegentlich schafft man sowas aber sogar per Gesetz, zum Beispiel im Falle "Lehrling", der nun ein "Auszubildender" ist. Sprachlich empfinde ich letzteres als höchst verunglückte Neuschöpfung, zumal mir das Herabsetzende am "Lehrling" nie klar wurde.
Gleiches gilt zum Beispiel für den Plural "Innen". In der Sache wünschenswert, aber sprachlich ziemlich unglücklich gelöst.

Joke

Sanne

Re: Hurenkinder und Schusterjungen

Beitrag von Sanne » Di, 28.04.2009 11:26

Joke hat geschrieben:Um zur Sache zurückzukommen
- lese ich aus der Seite mit dem Typografie-Lexikon aber heraus, dass "Schusterjunge" und "Hurenkinder" doch eher veraltet sind.
Was sagen denn die Typografen dazu?
Sind diese Begriffe denn nun so festgezimmert oder nicht?
Gibt es unter den Typografen nun auch unterschiedliche Begriffe für diese Phänomene oder nicht?
Ich kenne dieses Berufsbild gar nicht, wird das als Ausbildung gelehrt? Dann gibt es dazu sicher auch Ausbildungsstätten und falls ja, müssen die sich mit der Frage der "political correctness" ja auch auseinander setzen.
Gibt es hier im Forum Typografen?
mfG

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